VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Aaron  |  Alma  |  Angelina  |  Bernd  |  Christian  |  Flora  |  Jena  |  Johanna  |  Lanrianna  |  Lene  |

Lotte  |  Lydia  |  Maria  |  Mia  |  Niklas  |  Nora  |  Patrizia  |  Sara  |  Sophie  |  Stefan  |  Warinka  |

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Eine Hochzeit in Südafrika

Autor: LeneMontanus | Datum: 20 September 2015, 16:27 | 0 Kommentare

Am vergangen Wochenende hatte ich die Möglichkeit, etwas sehr besonderes zu erleben: Einen Kurztrip nach Rustenburg, Südafrika, wo am Samstag die Hochzeit einer Verwandten meiner Gastfamilie stattfand. Rustenburg liegt etwa 400 km entfernt von Gabane, man fährt etwa zwei Drittel der Strecke nach Johannesburg. Das dauert einige Stunden, deswegen machen wir uns schon Freitagmittag auf den Weg. Wir, das sind in diesem Fall Amantle, ihr Onkel, ihre Cousine und ich. In Gaborone machen wir einen kurzen Stopp, um Pizza zu essen, dann geht es Richtung Grenze. Gaborone liegt sehr nah an der Grenze, wir brauchen also nicht lange und dann passiert etwas, was ich eigentlich wusste, mich aber dann doch irgendwie überrascht: die Grenzkontrolle. Für mich total ungewohnt, die offenen Grenzen innerhalb Europas habe ich immer als selbstverständlich angesehen. Nun heißt es jedoch aussteigen, ein Formular ausfüllen und an einem Schalter warten, ausreisen, an einem anderen Schalter warten, einreisen, weiterfahren. Die Autobahn hinter der Grenze führt zunächst durch sudafrikanische Savanne, kilometerweit gibt es keine einzige Kurve, es sind keine Häuser zu sehen, nur (durch die Trockenzeit noch ziemlich braune) Landschaft und zwei Zäune entlang der Straße, die die Tiere fernhalten sollen. Ich sehe trotzdem welche, vor und hinter dem Zaun sind Affen, Hyänen, Kühe und unzählige, teilweise wirklich beeindruckende Termitenhügel. Nach und nach wird die Landschaft bergiger, ab und zu fahren wir durch Dörfer oder Städte, zum Beispiel durch Zeerust. Obwohl wir so nah an Botswana sind, sieht es hier ganz anders aus. Andere Häuser, Straßen, irgendwie eine andere Stimmung.

Nach etwa viereinhalb Stunden Fahrt erreichen wir Rustenburg, es ist schon dunkel und das erste, was ich von der Großstadt sehe, sie die Lichter, die plötzlich im Tal hinter einer Bergkuppe auftauchen. Wir fahren zu dem Haus von Verwandten und uns erwartet dort ein deutlich höherer Lebensstandard, als ich es bisher in Gabane gesehen habe. Allerdings ist dieser auch mit einer hohen Mauer und Stacheldraht gesichert, was bei mir komischerweise ein Gefühl der Unsicherheit auslöst. Doch wir machen uns bald wieder auf den Weg zu dem Haus, wo am nächsten Tag die Hochzeit stattfinden soll. Dort ist einiges los, viele Leute schneiden Gemüse und ähnliches, Stühle werden durch die Gegend getragen. Doch wir sind Gäste, wir bekommen etwas zu Essen, setzen uns und unterhalten uns mit anderen Familienmitgliedern. Irgendwie scheint hier jeder jeden zu kennen, mir ist ein Rätsel, wie das bei so vielen Menschen geht… Später am Abend fahren wir wieder in unser „zu Hause“ für eine Nacht und ich falle müde ins Bett.

Am Samstagmorgen stehen wir früh auf, der Gottesdienst soll um neun anfangen. Dass das anders kommen wird kann ich mir denken, aber als wir erst gegen zehn los fahren und erst mal in der Mall ein paar Sachen besorgen, werde ich doch etwas nervös. Vollkommen umsonst allerdings, denn wir sind mit die ersten an der Kirche. Zu spät zur eigenen Hochzeit zu kommen ist vermutlich der Albtraum von fast jedem Brautpaar in Deutschland, aber hier ist das eindeutig die richtige Wahl, wenn man nicht sehr lange vor der Kirche warten will. Tatsächlich beginnt der Gottesdienst um kurz vor zwölf, ich habe das Gefühl, es wird ein bisschen wie bei den Combis in Gabane gemacht: Man wartet, bis der Combi (oder eben die Kirche) voll ist, erst dann geht es los. Dafür, dass mir eine riesige Hochzeit versprochen wurde, sind jedoch wenige Leute da… Vom Gottesdienst selbst verstehe ich wenig, aber der Pfarrer ist mir sympathisch, er scheint sehr humorvoll zu sein; es wird viel gelacht und die Frauen machen oft Töne, die sich etwas nach „lululu“ anhören; ein Zeichen, dass ihnen etwas gefällt. Der Ringtausch erinnert ein bisschen an einen Pressetermin, jeder zückt sein Handy und schießt ein paar Fotos oder filmt das Ganze. Die Trauung endet mit einer Blaskapelle, die herein kommt. Tanzend folgt die Gemeinde dem Brautpaar aus der Kirche und alle machen sich direkt auf den Weg zur Feier. Dort sind unglaublich viele Menschen, das große Festzelt ist zu klein, bestimmt 200 Menschen sind da. Wir haben zum Glück einen Sitzplatz bekommen, denn jetzt beginnen zwei – für jemanden, der die Sprache nicht versteht – leider ziemlich lange Stunden mit Grußworten. Erst gegen vier wird mit dem Essen begonnen, was sehr lecker ist. Da für so große Essensmengen ein normaler Herd natürlich nicht ausreicht, wird für große Feiern immer über dem Feuer in riesigen Bottichen gekocht. Es gibt Hühnchen, Rind, Sour Porridge, Reis, Kartoffeln, Salate und vieles mehr. Nach dem Essen verteilen sich die Menschen etwas auf das große Gelände, in kleinen Gruppen sitzt man zusammen, isst Kekse und redet. Die meisten stehen jedoch begeistert auf und tanzen mit dem Brautpaar, wenn die Blaskapelle wieder spielt. Das ist ein Event mit großartiger und ausgelassener Stimmung, das man sich glaube ich nur vorstellen kann, wenn man es mal erlebt hat.

Unter „Meine Fotoalben“ findet ihr (hoffentlich) ein paar Fotos von dieser und noch einer anderen Hochzeit sowie einige Schnappschüsse der vergangenen Wochen (es sind ja jetzt schon – oder erst? – vier!).

«Neuerer Eintrag | Älterer Eintrag»

 

 

Kommentare

 

 

Kommentar Verfassen

 This is the ReCaptcha Plugin for Lifetype