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30

Autor: LeneMontanus | Datum: 02 September 2015, 18:07 | 0 Kommentare

 Irgendwie bin ich heute auf die Zahl 30 gekommen und mir sind immer mehr Sachen dazu eingefallen, sodass ich beschlossen habe, diese Zahl als Aufhänger für diesen Blogeintrag zu nehmen. Das wird also ein etwas anderer Eintrag, nicht chronologisch oder über ein bestimmtes Thema, sondern ein wilder Mix aus Eindrücken und Erlebnissen der letzten Tage (die mir tatsächlich schon viel länger vorkommen – nicht, weil die Zeit so langsam vergeht, sondern weil ich so viel wie sonst selten erlebe).

 

Also, 30…

 

… bis 45 Minuten brauche ich ungefähr mit dem Combi zu meinem Sprachkurs. Den habe ich für jetzt noch eineinhalb Wochen und lerne ein paar Grundlagen in Setswana. Ich habe quasi „Einzelunterricht“, es gibt wenige, die Setswana lernen möchten, das Anwendungsgebiet ist mit Botswana ja auch nicht so riesig. Für meine Vorstellung in der Kirche am vergangenen Sonntag habe ich mit meiner Lehrerin ein paar Sätze verfasst und gelernt, um ein bisschen was über mich erzählen zu können, was auch die, die kein Englisch können, verstehen. Und zu meiner Überraschung konnte ich mich an alles erinnern als ich vor der Gemeinde stand und alle konnten es trotz meines Akzents verstehen.

 

… Kinder sind in etwa in einer Klasse im Kgothatso Day Care Centre. Es gibt zwei Klassen, die getrennt Unterricht haben, aber zum Beispiel gemeinsam Essen. Ich bin bisher überwiegend bei der älteren Klasse, die Kinder sind etwa fünf bis sechs Jahre alt. Gestern und heute habe ich den Computerunterricht übernommen, das klappt auch ohne große Sprachkenntnisse ganz gut und man arbeitet nur mit drei Kindern zeitgleich, was mir etwas hilft, den Überblick zu behalten. Mit sonst manchmal sechzig Kindern alleine im Klassenraum ist das doch etwas anspruchsvoller :D

 

… Mückenstiche habe ich inzwischen und bin sehr froh, dass hier keine Krankheiten von Mücken übertragen werden und dass ich vorerst genug Fenistil dabei habe ;) Mir wurde gesagt, man gewöhnt sich an die Stiche und merkt sie irgendwann nicht mehr, ich hoffe das Beste… Im Moment sehe ich jedenfalls noch etwas nach einem Streuselkuchen aus, aber nur an den Armen und Füßen, denn die Mücken kommen nachts.

 

… Heiratsanträge habe ich noch nicht bekommen, aber drei waren es. Zum Glück waren die alle nicht ernst gemeint und meine Ablehnung war keine wirkliche Enttäuschung, aber etwas komisch ist es schon, wenn jemand auf der Straße fragt, wie es dir geht und dich als nächstes fragt, ob du ihn nicht vielleicht heiraten möchtest. Doch die meisten Leute, die mich auf der Straße ansprechen, grüßen nur mit „Dumela Mma“ und fragen nach meinem Wohlbefinden, ich antworte und frage zurück und dann geht jeder weiter seiner Wege.

 

… Stunden müsste ein Tag mindestens haben, damit ich alles schaffe, was ich gerne machen würde. Am Ende des Tages weiß ich nie, wo die ganze Zeit geblieben ist, denn neben der Arbeit und dem Sprachkurs singe ich bisher nur im Kirchenchor und bin in der Jugendgruppe. Am Sonntag nach dem Gottesdienst war ein Chortreffen in der Kirche, es sind viele Chöre aus der Umgebung gekommen und haben gesungen. Da ich ja wirklich noch nichts kann, dachte ich, ich gucke mir das lieber aus sicherer Entfernung an, aber nichts da – ich wurde prompt mit auf die Bühne genommen und hab versucht, zumindest die Bewegungen mitzumachen. Dass ich dabei nur mäßig Erfolg hatte, hat niemanden gestört und es war ein wirklich toller Nachmittag. Aber dann gibt es immer noch andere Dinge: Stromeinheiten kaufen gehen, mit den Nachbarskindern spielen, beim Essen Kochen versuchen zu helfen und so weiter. Eine zweite Freizeitbeschäftigung möchte ich mir trotzdem noch suchen, am liebsten irgendeine Sportart. Mal sehen, was es wird, das Angebot ist groß!

 

… Minuten dauert ein Sonnenuntergang ungefähr in Deutschland, oder? Ich weiß es nicht genau, aber ich weiß, dass das hier wesentlich schneller geht. Um kurz nach sechs fängt es an, zu dämmern und zehn bis fünfzehn Minuten später ist es draußen stockdunkel. Und zwar wirklich, denn Gabane ist ein kleines Dorf und die Straßen sind nicht beleuchtet, was den großen Vorteil hat, dass man einen großartigen Sternenhimmel bewundern kann. Da, wie mir gesagt wurde, die Nächte fast das ganze Jahr über klar sind, könnte ein Experte da sicherlich so einiges sehen. Aber auch als Laie sieht das wirklich toll aus, besonders, wenn man auf der noch von der Sonne aufgewärmten Veranda vor dem Haus liegt…

 

… Grad und mehr wird es hier tagsüber warm und dabei ist beginnt gerade erst der Frühling. Das verwirrt mich immer wieder, die Temperaturen sind für mich wie im Hochsommer, aber alle versichern mir, dass es im Sommer erst wirklich warm wird. Im Moment tragen noch alle lange Hosen und Jacken. Mich eingeschlossen, denn nachts und morgens ist es wirklich kalt, um die zehn bis 15 Grad schätze ich. Auch bei der Arbeit haben mich die umgekehrten Jahreszeiten schon verwirrt. Ich habe gefragt, wer mir die drei Sommermonate nennen kann und bekam zu meiner Überraschung November, Dezember und Januar zu hören. Ich wollte gerade widersprechen, als mir aufgefallen ist, dass das absolut richtig ist.

 

… Pula sind etwa 2,70 Euro. Pula ist die Landeswährung in Botswana und bedeutet gleichzeitig auch „Regen“. Für P30 bekommt man zum Beispiel fünf Kilogramm Mehl, drei Stunden Highspeed-Internet für den Laptop oder ein Kilo Fleisch. Apropos Fleisch: Das gibt es mindestens einmal am Tag mit einer Beilage und ist wirklich gut. Und das sagt eine, die eigentlich aus Überzeugung Vegetarierin ist (was hier nicht möglich ist, dafür gibt es einfach zu oft Fleisch als Hauptessen)… Die Sachen kann man übrigens in einem „ganz normalen“ Supermarkt kaufen, bis auf einige Marken und Produkte konnte ich bisher weder vom Aussehen noch vom Angebot einen riesigen Unterschied zu deutschen Supermärkten feststellen.

 

… Minuten nach sechs Uhr morgens klingelt mein Wecker. Eine Stunde später muss ich bei der Arbeit sein, ich beginne also schnell zu duschen und ein paar Sachen einzupacken und verlasse, mehr oder weniger pünktlich, um viertel nach sieben das Haus und mache mich auf den Weg. Der führt mich über die Hauptstraße Gabanes und an einigen Ständen entlang, wo man zum Beispiel Gemüse, Obst, Süßigkeiten, Handyguthaben und Fat Cake kaufen kann. Letzterer stellt immer eine große Versuchung dar, denn den mag ich wirklich sehr gerne J

 

… wird hier „thirty“ genannt. Jeder benutzt die englischen Bezeichnungen für Zahlen, in Setswana sind die Zahlen einfach zu lang und umständlich, wie meine Sprachlehrerin mir erzählt hat. Ich finde das ganz gut, dann muss ich keine neuen Zahlen lernen. Auch andere Wörter oder Sätze werden auf Englisch gesagt, was mir immer auffällt, denn in einem Schwall unbekannter Wörter kann ich plötzlich ein paar Fetzen verstehen.

 

 

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