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Autor: LeneMontanus | Datum: 28 August 2015, 16:47 | 0 Kommentare

Schon mit dem Beginn meines Auslandsjahres in Botswana betrete ich Neuland, denn ich bin noch nie geflogen. Und jetzt habe ich einen Flug von über siebzehn Stunden und zwei Umstiegen vor mir. In Düsseldorf geht es los, mein Gepäck hat kein Übergewicht, die Hürde wäre also schon mal geschafft. Auch durch die Handgepäckkontrolle komme ich problemlos und schon sitze ich zum allerersten Mal in einem Flugzeug. Tatsächlich ist es ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe, viel weniger schlimm, auch wenn ich bei den ersten paar Kurven, die das Flugzeug nimmt, denke, wir sind dem Absturz nahe. Ab Frankfurt fliege ich mit dem A380, der Flug nach Johannesburg erinnert mich mehr an eine Busfahrt, vor allem weil es dunkel ist. In Johannesburg angekommen bekomme ich den ersten Stempel in meinen Reisepass und steige in den letzten Flieger, der mir nicht sehr vertrauenserweckend vorkommt mit den Propellern an der Seite. Aber zum Glück habe ich einen sehr netten Sitznachbarn aus Tel Aviv, der jeden Monat für zwei Tage nach Botswana fliegt, da er irgendwas mit Diamantenhandel zu tun hat. Er beruhigt mich etwas und zeigt mir, was ich etwa sieben Kilometer unter uns sehen kann. Am Flughafen verabschieden wir uns und ich sehe mich einer neuen Herausforderung gegenüber: Ich muss ein Immigration Paper ausfüllen, um einreisen zu können. „Nicht so schwierig“ denke ich, aber das ist leider ein Irrtum, denn ich soll Daten angeben, die ich noch nicht habe, weil ich zum Beispiel meine Gastfamilie noch nicht kenne. Die leeren Felder kommen der Frau am Schalter komisch vor, es werden Kollegen gerufen, ich packe alle Zettel aus, die hilfreich sein könnten und bin sehr froh, alle Unterlagen im Handgepäck zu haben. Schließlich bekomme ich meinen zweiten Stempel, mein Visum für 90 Tage in Botswana, das ich in den nächsten Tagen verlängern muss, denn ich will ja ein Jahr bleiben!

Am Flughafen werde ich von meinem zukünftigen Chef Tswex abgeholt und jetzt fängt die Zeit des „Neuen“ erst so richtig los. Wir fahren aus der Hauptstadt Gaborone nach Gabane, natürlich im Linksverkehr, was mir den einen oder anderen Schrecken einjagt. In Gabane halten wir mit den Worten „You’re home.“ vor einem Haus (ja, es ist ein ganz normales einstöckiges Haus aus Stein, die Strohhütte daneben existiert nur noch aus Prestigegründen) und meine Gastfamilie wird mir vorgestellt. Ich wohne gemeinsam mit meiner Gastschwester Amantle in dem einen Haus, ihre Großeltern wohnen daneben. Amantle kann sehr gut Englisch, was wirklich gut ist, ohne sie würde ich ohne Handy irgendwo verschollen sein und längst nicht so viel Spaß gehabt haben, aber dazu später mehr.

Am Sonntag gehen wir noch etwas essen, bevor ich nachmittags todmüde ins Bett falle und bis zum Morgen wunderbar durchschlafe. Am Montag geht es direkt zur Arbeit, also ins Kgotasto Care Center. Das ist eine Art „Kindergarten“, Kinder im Alter von etwa vier bis sechs Jahren verbringen dort den Morgen und Mittag. Sie bekommen zwei Mahlzeiten und etwas Unterricht, zum Beispiel in Englisch und Mathe. In den ersten Tagen gucke ich vor allem zu und versuche, die Abläufe kennen zu lernen und mir etwa 60 neue Namen zu merken (Letzteres ist bisher eher mäßig erfolgreich).

Am Dienstagmorgen nehme ich mir vor, den Weg zur Arbeit alleine zu finden. An der Hauptstraße merke ich, dass ich keine Ahnung habe, wo ich hin muss und beschließe, mich durchzufragen. Ich werde die Hauptstraße entlang geschickt, doch hier kommt mir nichts bekannt vor. Ich frage den Nächsten und mir wird versichert, dass ich auf dem richtigen Weg bin, ich gehe also weiter die Hauptstraße entlang. Irgendwann wird mir jedoch klar: Ich kann nicht mehr richtig sein. Ich rufe Amantle an, die mir sagt, dass ich etwa zweieinhalb Kilometer in die falsche Richtung gelaufen bin. Ich gehe den ganzen Weg zurück und werde von Amantle aufgesammelt, die mich zur Arbeit bringt, inzwischen bin ich über eine Stunde zu spät. Trotz des morgendlichen Disasters traut mir Tswex am Mittag zu, alleine den Weg zum Sprachunterricht im Nachbarort Mogoditshane zu finden. Dorthin kommt man mit Combis, das sind Kleinbusse, die bestimmte Routen fahren und eigentlich überall halten, wo man aussteigen möchte. Ich muss umsteigen um nach Mogoditshane zu kommen und sage dem Fahrer, wo ich raus muss, weil ich ja nicht weiß, wie es dort aussieht. Eine Viertelstunde später stehe ich etwas verloren an einer großen Kreuzung. Anscheinend wirke ich (vollkommen zu Recht) etwas hilflos, denn prompt nimmt mich eine Frau unter ihre Fittiche und setzt mich in den richtigen Combi. An der Mogoditshane Primary School angekommen lerne ich meine Sprachlehrerin Mrs Radikgobati kennen, die in den nächsten drei Wochen versucht, mir etwas Setswana beizubringen. Sie ist sehr nett und nach vier tagen Sprachunterricht kann ich immerhin ein paar Dinge. Grüßen, verabschieden, nach Wasser fragen und ein paar in der Schule nützliche Floskeln und Wörter. Schon in den ersten Tagen habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, Setswana zu lernen. Die meisten leute können zwar gut Englisch, aber Unterhaltungen werden immer auf Setswana geführt und auch der Chor, bei dem ich seit Mittwoch Mitglied bin, singt natürlich auf Setswana – das ist jedoch nicht die einzige Schwierigkeit, denn es wird dazu auch getanzt, was mich etwas überfordert hat ;)

Bei der Arbeit wird es von Tag zu Tag besser, weil ich die Routine etwas kennenlerne und manchmal weiß, wo ich gut mit anpacken kann. Heute sollte ich dann selber „unterrichten“ und zu meiner großen Überraschung hat das ganz gut funktioniert. Ich habe mit den Kindern zwei deutsche Lieder gesungen, die ich ins Englische übersetzt habe und ein Kennenlernspiel gespielt, um zumindest ein paar Namen mehr zu lernen.

Ich habe in den sechs Tagen, die ich hier bin, schon sehr viel mehr erlebt, aber ich glaube, es sprengt den Rahmen, das alles zu schreiben. Mir ist es vor allem wichtig zu sagen, dass es mir wirklich gut geht hier! Ich bin jeden Abend unglaublich müde, weil ich so viel Neues sehe und erlebe, aber das ist super schön und interessant.

 

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